"Warum ich Ersthelferin für psychische Gesundheit zu sein liebe"
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Admin bei Tag, MHFA 24/7 - Die wenigsten die mich persönlich kennen wissen, dass ich um 23.34 Uhr am 31. Dezember 2020, meine Prüfung zur “Mental Health First Aider”, kurz MHFA, abgeschlossen habe.
Ja, klangheimlich habe ich während dem ersten Lockdown diesen Erste-Hilfe-Kurs von ensa swiss gemacht und zum Jahresende die Prüfung online abgeschlossen. Surprise - Shorty!!
Was ist Ersthelfer*in für psychische Gesundheit eigentlich?
MHFAs sind Laien die Basiswissen über psychische Probleme erlernen, sie kennen die Arbeitsmittel der Ersten Hilfe und wissen diese anzuwenden. Wenn Personen in unserem privaten oder beruflichen Umfeld akute psychische Schwierigkeiten oder Krisen durchleben, können sie von MHFAs unterstützt werden bis professionelle Hilfe übernimmt. Ähnlich wie beim Nothelfer, welcher hierzulande vor dem Führerschein absolviert werden muss. Der ensa Erste-Hilfe-Kurs wird nach bestandener Prüfung mit einem Zertifikat abgeschlossen und muss alle drei Jahre erneuert werden. MHFAs sind in der Schweiz noch Pioniere daher ist das aktuell kein Beruf und die Tätigkeit wird nicht entschädigt.
DISCLAIMER: MHFAs sind keine Gesundheitsfachpersonen, dürfen keine Diagnosen stellen und ersetzen weder Ärzte noch Therapeuten.
Warum kann ein Ersthelfer in manchen Fällen eher helfen als ein Therapeut?
Betroffene erhalten schneller Hilfe - Erstelfer*innen stehen diesen Betroffenen in irgendeiner Weise nahe, so können sie psychische Probleme und akute Krisen in der Entstehung erkennen und daher früh agieren. Fehlende Aufklärung über Themen rund um psychische Gesundheit, lassen Betroffene oft nicht wissen was in ihnen vorgeht und wie sie damit umgehen sollen oder können. Therapeuten muss man aufsuchen. Allein dieser Schritt kostet Überwindung und Kraft. Er setzt voraus, dass man psychische Schwierigkeiten oder gar Probleme bei sich selbst erkannt hat. Hinzu kommt das Stigma um psychische Erkrankungen, Misstrauen gegenüber Ärzten und Therapeuten, Angst, fehlende Kenntnisse über mögliche Therapien, Scham und/oder kulturelle Überzeugungen etc. Das alles erschwert den Griff zum Telefon oftmals zusätzlich oder macht es gänzlich unmöglich sich passende Hilfe zu suchen. Wir sind da um zu helfen indem wir stabilisieren, informieren und unterstützen.
DISCLAIMER: MHFAs sind keine Gesundheitsfachpersonen, dürfen keine Diagnosen stellen und ersetzen weder Ärzte noch Therapeuten.
GeHen MHFA proaktiv auf Menschen in ihrem Umfeld zu oder wird man angefragt?
Es ist eine Mischung aus beidem. Mit einem ehrlichen “Wie geht es Dir?”, ergibt sich die Unterhaltung meist wie von selbst unabhängig von Ort und Zeit, Geschlecht, Alter oder Status. Das jahrelange Arbeiten in schnelllebigen und fluktuierenden Arbeitsumfeldern haben meine Anpassungsfähigkeit geschärft. Breits vor dem Kurs war “Kundenbedürfnisse erkennen” eine meiner grössten Stärken, was sich nun sehr gut auf “Wohlbefinden erkennen” ableiten lässt. Personen die sich mit mir über den Small-Talk hinaus unterhalten, wissen und fühlen, dass ich ihnen zuhöre und immer versuche sie zu verstehen ohne sie zu verurteilen oder zu bevormunden. Es kommt aber auch oft vor, dass mir jemand anruft oder schreibt und direkt erwähnt, dass ein offenes Ohr und eventuell mein Ratschlag gebraucht wird. Wenn es die Situation erfordert, frage ich direkter nach und biete meine Expertise an. Wichtig: ich zwänge mich dabei niemandem auf. Natürlich habe ich auch ganz normale Gespräche und ausgelassene Stimmung wo die psychische Gesundheit nicht im Vordergrund steht.
DISCLAIMER: MHFAs sind keine Gesundheitsfachpersonen, dürfen keine Diagnosen stellen und ersetzen weder Ärzte noch Therapeuten.
Weshalb ich MHFA wurde?
Früher glaubte ich, dass psychische Erkrankungen nicht geheilt werden können und man damit einfach umgehen muss. In diesem Irrtum habe ich, wie so viele Andere, die besten Jahre meines Lebens verschwendet, und es sind nicht wenige. Weder in der Schule noch in den Medien wurde uns damals die Wichtigkeit psychologiescher Aufklärung vermittelt - im Gegenteil!
2017, also drei Jahre bevor ich von dem Kurs wusste, habe ich angefangen mich ausgiebig mit psychischer Gesundheit, deren Erkrankungen und möglicher Lösungen auseinanderzusetzen. Nicht als Azubi, sondern als mehrfach Betroffene, die nicht mehr weiter wusste.
Nach vielem recherchieren, ausprobieren, verlernen und Neuem erlernen, bin ich immer weiter vorangekommen und konnte nach einiger Zeit ein tieferes Verständnis für mich selbst und andere aufbringen. Als sich dann bei meinem Arbeitgeber die Möglichkeit aufgetan hat diesen Kurs nebenbei zu machen, habe ich mich sofort angemeldet und wurde schlussendlich nicht enttäuscht.
Die Möglichkeit aktiv für Betroffene eine bessere Realität zu schaffen, aufzuklären und somit auch diesem Tabu Thema entgegenzuwirken, lassen mich jeden Tag erkennen, dass ich einen Teil von meinem Leidensweg in etwas sinnvolles umwandeln kann. Das alles liebe ich so sehr daran!
DISCLAIMER: MHFAs sind keine Gesundheitsfachpersonen, dürfen keine Diagnosen stellen und ersetzen weder Ärzte noch Therapeuten.
Was sind die Voraussetzungen um Ersthelfer*in für psychische Gesundheit zu werden?
Jeder kann Ersthelfer*in für psychische Gesundheit werden! Interessierte können sich über die ensa-Website anmelden. Die Kurse starten mehrmals pro Jahr und das in verschiedenen Sprachen. Es braucht keinerlei Vorkenntnisse oder spezielle Neigungen und Fähigkeiten um am Erste-Hilfe-Kurs teilzunehmen.
Es ist für jede*n der sich folgendes und mehr aneignen möchte:
Wissen über psychische Gesundheit
Vertrauen in das eigene Helfen können
Stärken der eigenen psychischen Gesundheit.
praktisches Know-how bei psychischen Problemen und akuten Krisen
DISCLAIMER: MHFAs sind keine Gesundheitsfachpersonen, dürfen keine Diagnosen stellen und ersetzen weder Ärzte noch Therapeuten.
Was geht Dir gerade durch den Kopf? Welche Fragen habe ich nicht beantwortet? Schreibs mir doch in die Kommentarspalte.
Hier geht es zur ensa.swiss Website (dies ist keine Werbung oder Partnerprogramm)